07.April 2011
Seit vergangenem Donnerstag ist die Klemm 35 D – EDEX wieder zu Hause.
Der Überführungsflug führte bei schönstem Sichtflugwetter von Bonn – Hangelar (EDKB) aus zunächst am Rhein entlang.
Oldtimer Hahnweide
LTB Dirk Bende GmbH
Fliegendes Museum Hahnweide
AirVenture
Sonntag 13.Februar 2011, Flugplatz Bonn – Hangelar
Ein wunderschöner Vorfrühlingstag, klarer Himmel, schwacher Wind und für die Jahreszeit erträgliche Temperaturen. Heute soll es soweit sein und die EDEX wieder in ihr eigentliches Element zurückkehren. Ich bin aus Frankfurt angereist, wo ich den Vortag in meiner "Bude" verbracht habe, nachdem ich am Freitag spätabends mit der MD 11 aus "Dschej Eff Kej" (New York John F. Kennedy) gekommen bin. Nach dem Wegschlafen der sechs Stunden Zeitverschiebung habe ich mich intensiv mit der Klemm befasst, bin nochmal alle Unterlagen durchgegangen, habe mir Grenzwerte und Verfahren eingeprägt und bin die Punkte und Methoden durchgegangen, die beim "Erstflug" abgehandelt werden sollen. Ich habe die Testkarten wieder und wieder kontrolliert und bin in Gedanken viele Manöver und Platzrunden geflogen. Augen zu, frei auf einem Stuhl sitzend und nach Hebeln greifend und auf Instrumente zeigend, die ich schnell finden muss. So habe ich es schon als Flugschüler in Phoenix / Arizona gemacht, und es hat sich in den 30 Jahren, die seitdem vergangen sind, bei allen Umschulungen und Einweisungen bewährt. Am 14. Januar 1981 bin ich dort in einer Beech F 33 A zum ersten Mal alleine geflogen, N 2037 N war das Kennzeichen der "yellow banana", der gelben Bonanza, der ich Jahre später als wir mit der Ju 52 auf Amerika Tournée waren, in der Nähe von Philadelphia wieder begegnet bin.
Beim Eintreffen steht die EDEX schon flugfertig vor der Halle. Stolz reckt sie ihre rote Nase in den Morgenhimmel, so als würde sie an der kühlen und klaren Morgenluft schnuppern, durch die sie heute nach langer Bodenzeit endlich wieder fliegen soll. Sie sieht aus wie ein klassischer roadster, lange Nase mit viel Motor, Sitz weit hinten, elegante Linien – schnell und "zornig".
Das "übliche Premierenpublikum" hat sich auch schon versammelt, viele bekannte Gesichter haben den Weg nach Hangelar gefunden. Eigentlich soll man solche Flüge ja in Abgeschiedenheit und Einsamkeit machen, damit kein Druck zu fliegen entsteht, aber "damit kann ich um" nach all den Jahren. Nichtfliegen ist nämlich manchmal schwerer als Fliegen und "besser unten stehen und rauf wollen, als oben sein und runter wollen". Wenn man das beherzigt, ist man schon ziemlich weit auf der sicheren Seite.
Alles beginnt mit einem sehr ausführlichen "Rundgang" um das Flugzeug. Zwar habe ich tiefes Vertrauen zu Dirk Bende, aber vier Augen sehen mehr als zwei. Über die Korrektur der Beanstandungen nach den Bodenversuchen habe ich mit Dirk schon ausführlich gesprochen. Die Bremsen waren in ihrer Wirksamkeit noch nicht so, wie man sie sich bei einem Spornradflugzeug wünscht, denn ausser zum Bremsen braucht man sie oft auch zum Steuern. Die Klemm verfügt zwar über eine Spornradverriegelung, mit der man das Spornrad mittels der Seitenruderpedale steuern und damit dem Flugzeug eine Richtung geben kann, aber sollte sie sich beim Start- oder Landelauf um die Hochachse aufschaukeln, kann man das mit guten Bremsen leicht wieder einfangen und so ein Ausbrechen verhindern. Von den Rollversuchen, die ich ein paar Tage vorher gemacht habe, und die mich schon in die Nähe der Abhebegeschwindigkeit gebracht haben, weiss ich allerdings, dass die Gefahr, am Boden die Kontrolle über das Flugzeug zu verlieren, eher gering einzuschätzen ist. Aber der gute Pilot ist der, der so agiert, dass er nie beweisen muss, einer zu sein!
Ich bin in allen Punkten zufrieden und werfe mich in die Kluft. Auf die dicke Jacke muss ich zu Gunsten des Fallschirmes verzichten, der heute unbedingt dazu gehört, aber – die Temperaturen sind ja "für die Jahreszeit zu mild".
Der Motor läuft beim ersten Startversuch sofort, Öl- und Brennstoffdruck sind in Ordnung. Er nimmt nun auch willig Gas an, nachdem Dirk die Vergaser noch einmal eingestellt hat. Der Funk ist prima, ich notiere die Wetterdaten, die OFF BLOCK Zeit und rolle los. Die Bremsen sind in ihrer Wirksamkeit noch verbesserungsfähig, aber akzeptabel. Startrichtung ist 11, was mir nicht so recht ist, da der Abflug bald über ein Gebiet führt, wo die Notlandemöglichkeiten nicht eben üppig sind. Also prüfe ich beim Rollen und Abbremsen intensiv die Durchgängigkeit der Kraftstoffleitungen aus allen drei Tanks und lasse den Motor noch einige Zeit auf dem linken Tank laufen, für den ich mich entschieden habe. Durch die Neigung des Rumpfes am Boden, die der im Steigflug nahekommt, sind die Verhältnisse übertragbar. Ich gehe nocheinmal alle Punkte durch und rolle dann auf.
13.Februar 2011 in Bonn - Hangelar
Die Klemm 35 ist ein weiterer typischer Vertreter der Gruppe der Schul- und Sportflugzeuge der dreißiger Jahre. Das offene, zweisitzige Flugzeug mit einer Spannweite von 10,40 m und einer Länge von 7,35 m, von dem knapp 2.000 Stück gebaut wurden, war mit einem Hirth HM 504 Vierzylinderreihenmotor mit 105 PS Leistung ausgerüstet. Die Werk Nr. 1916 unterschied sich allerdings wesentlich von der Standardausführung. Wolf Hirth persönlich hat sich in sein Flugzeug einen Hirth HM 506 Sechszylindermotor eingebaut und das Flugzeug einsitzig geflogen.
Das Maschine mit dem Kennzeichen D-EDEX befindet sich seit Jahren im Besitz einer Haltergemeinschaft auf der Hahnweide, der HM 506 war jedoch mit den Jahren am Ende. Ersatzteile oder gar Ersatz für diesen Motor zu finden ist ziemlich aussichtslos, und so wurde der Entschluss gefasst, stattdessen ein tschechischen Walter Minor III Motor einzubauen.
Mit dem Umbau wurde Dirk Bende beauftragt, der die notwendigen Anpassungen der Motoraufhängung und der Zelle vornahm, denn der Walter Minor dreht nicht rechts- sondern linksherum. Damit verändert sich einiges an einem Flugzeug. Lage der Kühllufteinlässe für den Motor und Einstellwinkel des Seitenruders sind besonders zu beachten.
Im Frühjahr 2011 war es dann soweit, und das LBA erteilte nach Vorlage der geforderten Prüfberichte die vorläufige Verkehrszulassung. Dirk und die Eigentümer baten mich, und das Luftfahrtbundesamt autorisierte mich, die notwendigen Prüfflüge vorzubereiten und durchzuführen.
Nach ausgiebigen Rollversuchen in der Vorwoche passte am 13.Februar, einem Sonntagmorgen, alles zusammen, und der "Erstflug" nach Motorumbau konnte von Bonn - Hangelar aus stattfinden. Fast wolkenloser Himmel, nur schwacher Bodenwind und klare Sicht sind gute Voraussetzungen für solche Abnahmeflüge.
Um 11:44 Uhr Ortszeit schob ich den Gashebel behutsam an den vorderen Anschlag, und die Klemm nahm zügig Fahrt auf. Einen Augenblick später war sie in der Luft, und ich konnte mit angezeigten 130 km/h und etwa 5 m/s Vertikalgeschwindigkeit in den Himmel steigen. Das Flugzeug fliegt wunderbar, und es sind nur noch wenige Einstellarbeiten vorzunehmen.
Es sieht nicht nur sportlich aus, es fliegt sich auch so. Auch wenn die Erprobung noch nicht abgeschlossen ist, soviel lässt sich nach 1:25 h Flugzeit schon sagen: das ist eine "Mustang für Arme". Schnell, wendig, mit einem tollen Klang, gutmütigen Flugeigenschaften und einer tollen Aussicht.
Der neue Motor funktioniert, ist thermisch stabil und ermöglicht Reisegeschwindigkeiten von etwa 190 km/h. Ich freue mich auf die weitere Erprobung und bin heute schon traurig, das Flugzeug bald "nach Hause" auf die Hahnweide bringen zu müssen.
Die Klemm Kl 35 ist der siebzigste (70.) Flugzeugtyp, den ich geflogen bin.
Danke für das Vertrauen !